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Neuartige Massnahmen zur Überwindung der Schwierigkeiten im Jahr 2020

Wie hat das Unternehmen FELCO die Corona-Pandemie gemeistert? Produktionsleiter Sébastien Nussbaum und Pierre-Olivier Matile, Verantwortlicher Sicherheit und Umwelt, halten Rückschau auf dieses Jahr mit seinen besonderen Herausforderungen.

Waren Sie auf eine solche Gesundheitskrise vorbereitet?

Sébastien Nussbaum: Im Hinblick auf die saisonale Grippe ergreifen wir jedes Jahr gewisse Hygienemassnahmen: So stellen wir an heiklen Orten Desinfektionsmittel hin und haben ein wachsames Auge über Erkrankungen im Betrieb, in welcher Abteilung sie stattfinden. Aber mit so etwas haben wir nicht gerechnet.

Pierre-Olivier Matile: Auf eine Krise mit solchem Ausmass waren wir nicht vorbereitet. Obwohl wir anfangs Jahr die Lage aus der Ferne beobachteten, vor allem im Hinblick auf die im März geplanten Feierlichkeiten unseres 75-jährigen Jubiläums. Wir erwarteten Gäste aus der ganzen Welt – und fragten uns, ob dies nicht problematisch sein würde. Aus diesem Grunde wurde eine Taskforce geschaffen, mit Direktionsmitgliedern und Verantwortlichen der Abteilungen, um in regelmässigen Treffen über diese Problematik zu diskutieren. Je näher wir dem März kamen, desto mehr hatte diese Taskforce ihre Berechtigung. Dann, ab dem 13. März, ging alles rasant schnell.

Wie meinen Sie das?

S.N.:  Nachdem der Bundesrat die Schulen schloss und einen Teil-Lockdown verordnete, blieb uns nur das Wochenende, um den Betrieb auf diese neue Situation vorzubereiten. Eine extrem anspruchsvolle Zeit, und die Abteilungschefs mussten ihren Teil leisten. Denn wir mussten Gesundheitsmassnahmen umsetzen, wie wir sie bis anhin noch nie ergriffen hatten.

P.-O.M.:  Auch mir bleibt dieses Wochenende stark in Erinnerung, wegen der grossen Solidarität zwischen der Belegschaft. Wir alle mussten gemeinsam auf eine noch nie dagewesene Situation reagieren. Ab jenem Zeitpunkt kam die Pandemiegruppe täglich zusammen, um die aktuelle Lage zu verfolgen.

Welche Massnahmen wurden getroffen?

S.N.:  Wir teilten das Personal umgehend in zwei Gruppen auf – die Morgen- und die Nachmittagsschicht –, um im Ansteckungsfall einen völligen Produktionsstopp zu vermeiden. Wir ergriffen auch schrittweise konkrete Schutzmassnahmen wie Bodenmarkierungen, Plexigläser, Distanzierungsmassnahmen, Vorgehen im Krankheitsfall usw.

P.-O.M.:  Ausserdem haben wir ein Warnsystem per SMS für alle Mitarbeitenden eingerichtet, um eine klare interne Kommunikation sicherzustellen. Auf diese Weise waren alle jederzeit auf dem Laufenden.

Bis zur Einstellung des Betriebs?

S.N.: Ende März stellten wir den Betrieb tatsächlich für einen Monat ein. Unter den Mitarbeitenden war viel Verunsicherung zu spüren, und sie waren fast am Anschlag. Ausserdem gab es markant weniger Bestellungen. In Tat und Wahrheit: Wir wussten nicht wirklich, wohin dies alles führte. Die Entscheidung, den Betrieb vorübergehend einzustellen, führte zu einer spürbaren Erleichterung. Und wir haben den Produktionsstopp für Renovierungs- und Räumungsarbeiten genutzt. Dann konnten wir den Betrieb wieder hinauffahren –zuerst langsam, dann mit erhöhtem Tempo. Denn erstaunlicherweise nahmen die Bestellungen wieder schnell und stark zu. Im Juni waren wir bereits wieder zu 100 % ausgelastet; wir mussten sogar samstags arbeiten. Unsere Mitarbeitenden machten da ohne zu zögern mit.

Und nach dem Sommer?

P.-O.M.:  Wir hatten uns inzwischen an die neuen Bedingungen gewöhnt. Doch nun galt es, sich um Mitarbeitende zu kümmern, die aus den Ferien aus Risikoländern zurückkamen. Als Nächstes waren wir mit einem neuen Phänomen konfrontiert: Im Oktober gab es die ersten Fälle, gefolgt von reihenweise Quarantänen, die wir managen mussten. Wir erarbeiteten einen Pandemieplan, der insbesondere ein komplettes internes Rückverfolgungsverfahren bei möglichen Fällen umfasste.

S.N.: Die zweite Welle kam sehr schnell. Es war umso wichtiger, ein einwandfreies betriebsinternes Contact Tracing zu haben, um mögliche Ansteckungsketten nachverfolgen zu können.

P.-O.M.:   Wenn wir einen allfälligen Covid-Fall nicht hätten dokumentieren können, wären wir Gefahr gelaufen, dass die kantonalen Gesundheitsbehörden notfalls eine ganze Abteilung oder Werkstatt geschlossen hätten, was den gesamten Betrieb gelähmt hätte. Glücklicherweise ist es nie so weit gekommen.

Was waren die Lehren aus dieser Krise?

S.N.:  Es zeigte sich, dass wir sehr flexibel waren. Es ist uns gelungen, uns sehr schnell an eine neuartige Situation anzupassen. Ein anderer wichtiger Faktor: Das Unternehmen arbeitet mit kurzen Kreisläufen, mit lokalen oder regionalen Zulieferern. Die Vorteile dieser Strategie wurden offensichtlich. Wir standen nie vor einem Versorgungsunterbruch und konnten so unsere Freiheit und unsere Unabhängigkeit beibehalten.

P.-O.M.: Dies war auch bei den Beschäftigten der Fall. 87 % der Mitarbeitenden von FELCO wohnen in der Region. So blieben wir beispielsweise von Problemen mit Grenzgängern, die an der Grenze aufgehalten wurden, verschont.

Wie verhielt sich das Personal während dieses Jahres?

S.N.:  Alle verhielten sich einfach vorbildlich. Im Ernst.

P.-O.M.:  Trotz der Angst vor dem Unbekannten zeigten sie sich mutig und haben niemals aufgegeben!

Gibt es Massnahmen, die Sie auch nach Covid beibehalten werden?

S.N.:  Bei der Produktion werden wir die Art und Weise, wie wir unsere Lagerbestände verwalten, überdenken: die Saisonabhängigkeit der Verkäufe darf nicht mehr der alleinige Faktor sein. Von nun an müssen wir andere Kriterien bei unserer Produktionsplanung einschliessen: der Luftverkehr, die Geopolitik usw. Die externen Einflüsse auf unseren Betrieb müssen globaler betrachtet werden. Die Erfahrung dieses Jahres führte ebenso zu neuen Ideen bei der Organisation der Produktion – mit dem Ziel, noch flexibler zu werden und insbesondere die Menschen vielseitiger einzusetzen.

P.-O.M.:  Denke ich über den Umweltaspekt meines Arbeitsplatzes nach, würde ich sagen, dass dieses Jahr gezeigt hat, dass viele Geschäftsreisen oder Fahrten durch virtuelle Sitzungen oder Treffen mittels IT-Tools ersetzt werden können. Man hat vieles virtuell durchgeführt, sogar die Weiterbildungen im After-Sales-Management. Auch wenn man nicht auf alle Reisen und Fahrten verzichten kann, müssen wir uns nun vermehrt über deren Nutzen Gedanken machen. Betreffend Gesundheitsprävention sind die Desinfektionseinrichtungen sicher kein Luxus; wir werden sie bei den nächsten kleinen saisonalen Grippen wiederverwenden.